Unser erstes ernst zu nehmendes Sammler-Messer für den deutschen Markt. So zu sagen ein erster Test. Also wollten wir da alles reinlegen, was das Messer neben der Damastklinge begehrenswert macht. Dazu gehörte auch eine niedrige Auflage von 300 Stück. Die Auswahl des Modells war einfach. Aus Kostengründen durfte das Messer nur eine Klinge haben und festellbar sollte es auch sein. Das hatte ich in den USA gelernt und vor allem sah ich darin die Zukunft für Böker. Das mehrteilige Taschenmesser war damals bereits eine Domäne der beiden Schweizer Hersteller Victorinox und Wenger. Deren Marktposition auf diesem Gebiet anzugreifen war für mich gleichbedeutend mit Selbstmord. Also nahmen wir uns vor, mit unserer Modellpolitik links und rechts an den beiden Schweizern vorbeizusegeln. Damals hatte Böker ein einziges festellbares Messer: die einklingige Variante aus der Serie des traditionellen Jagdmessers, das wir auch mit Säge, Aufbruchklinge mit und ohne Korkenzieher bauten. Heute wird nur noch das in sich komplette Messer hergestellt, also Klinge, Säge, Aufbruchklinge und Korkenzieher und das Ganze mit Hirschhornschalen. Die nächste wichtigste Entscheidung: Welches Griffmaterial? Hirschhorn und auch Perlmutt waren für uns schon damals Routine. Ich kann mich noch genau erinnern: die Abteilungen, zuständig für die Klingenfertigung, konnten es kaum erwarten, die ersten Klingen aus Damaststahl zu stanzen, härten, schleifen, pliesten, polieren und "auszuziehen". So nennt man die Säurebehandlung der fertigen Klinge, um die Damaststruktur der 300 Lagen sichtbar zu machen. Man war richtig begierig, Neues kennenzulernen und konnte die erste Lieferung von ca. 30 Damastplatinen von Manfred Sachse kaum erwarten. Da wollten die anderen Mitarbeiter in der Heftebearbeitung, der Montage und Ausmacherei nicht hinten anstehen sondern auch mit Herausforderungen gekitzelt werden. Also war die Antwort Elfenbein-Schalen aus dem Odenwald, damals noch legal, sauber geformt auf den Messingerl vernietet. Unser Damaszierer Müller wurde doppelt in die Pflicht genommen. Einmal musste er die fertige Klinge mit Salpetersäure ausziehen und zum Anderen hat er nach einem uralten Ätzverfahren einen überlieferten Stich mit einer Schmiedeszene aus 1690 auf das Elfenbein aufgetragen. Die Lernkurven in den unterschiedlichsten Bearbeitungsstufen dieses Messers, ca. 120 Arbeitsgänge ohne das Damastschmieden, nahmen nur sehr allmählich einen ansteigenden Verlauf. Diese 300 Messer haben wir im Zweifel alle zweimal gemacht. Sie haben übrigens im Laden 320,- DM gekostet. Dieses Messer heute aufzutreiben, muss sauschwer sein. Aber, alles hat seinen Preis. Mich würde interessieren, welchen Wert das 1980 Böker Damast Jahresmesser heute erklommen hat.
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SKU1234
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